Der Zug der Zukunft: emissionslos

Der Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen geht auch in puncto Antriebstechniken mit der Zeit: Während heute noch viele Dieselzüge im Einsatz sind, um das hohe Fahrgastaufkommen zu bewältigen, wird an neuen marktfähigen Modellen gearbeitet. Der Hersteller Alstom testet zur Zeit eine emissionsfreie Bahn, die auch in NRW eingesetzt werden soll.

Äußerlich sieht der strahlendblaue Zug aus wie eine ganz normale, dieselbetriebene Bahn. Doch wer genau hinsieht, entdeckt auf dem Dach des Coradia iLint einen Wasserstoff-Tank und eine Brennstoffzelle, in der Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser reagieren. Bei diesem chemischen Prozess entsteht elektrischer Strom, mit dem ein großer Zug in Fahrt gesetzt wird. Dies ermöglicht einen nachhaltigen Betrieb unter Beibehaltung einer hohen Zugleistung. Die komplett emissionsfreie Bahn ist geräuscharm und gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Zudem punktet der Coradia iLint durch die flexible Speicherung überschüssiger Energie in leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien sowie smartes Management von Antriebskraft und verfügbarer Energie. Mit diesen technischen Innovationen ausgerüstet schickt das Unternehmen Alstom eine Bahn auf die Schiene, die besonders für den Einsatz auf nichtelektrifizierten Strecken geeignet ist.

Erfolgreicher Start in die Testphase

Bevor der Coradia iLint Anfang 2018 auf der Strecke Buxtehude–Bremervörde–Bremerhaven–Cuxhaven in den Probebetrieb mit Fahrgästen geht, erfolgt eine umfangreiche Testkampagne in Deutschland und Tschechien. Nach der ersten Probefahrt auf der werkseigenen Teststrecke von Alstom in Salzgitter zeigte sich Didier Pfleger, Sprecher der Geschäftsführung von Alstom Deutschland und Österreich, zufrieden: „Mit dem Coradia iLint und seiner Brennstoffzellen-Technologie ist Alstom der erste Schienenfahrzeughersteller, der eine emissionsfreie Alternative für Nahverkehrszüge bietet. Heute ist dieses neue Antriebssystem, das bislang erfolgreich auf dem Prüfstand erprobt wurde, erstmalig in einem Zug im Einsatz – ein entscheidender Schritt für saubere Mobilität in Europa.“

Einsatz auch in NRW

Pünktlich zum Start der Testphase errichtete Alstrom in Salzgitter eine mobile Tankstelle, die den gasförmigen Wasserstoff in den Druckspeicher des Coradia iLint pumpt. Der für die Testfahrten verwendete Wasserstoff ist das Nebenprodukt eines industriellen Prozesses. Somit wird das Abfallprodukt sinnvoll weiterverwendet. Langfristig unterstützt Alstom die Wasserstoffgewinnung aus Windkraft. Für Nordrhein Westfalen ist der Einsatz auf einer Strecke im Ruhrgebiet ab 2019 geplant. Bis 2020 sollen insgesamt 14 Züge in NRW auf die Schiene gehen. Bewährt sich der Einsatz aus technischer und wirtschaftlicher Sicht, ist eine Ausbreitung der Technik wahrscheinlich.

Bild: © Allstom/Michael Wittwer