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Goldene Brücke schrieb Eisenbahngeschichte

Fahrgäste der Ems-Börde-Bahn RB 89 und des Rhein-Hellweg-Express RE 11 genießen auf der Strecke zwischen Paderborn und Warburg einen fantastischen Ausblick: Hier überbrückt der Altenbekener Viadukt das Beketal und bietet eine weite Sicht auf die waldigen Hügel des Eggegebirges. Das denkmalgeschützte Brückenbauwerk hat aber vor allem einen großen Stellenwert in der Geschichte der Bahn in Deutschland. Auch architektonisch beeindruckt es mit erstaunlichen Fakten. Details verrät Marion Wessels, Leiterin der Tourist-Information Altenbeken.

Wie hat die Brücke die deutsche Bahngeschichte mitgeprägt?

Wessels: Mitte des 19. Jahrhunderts wollten preußische Planer eine neue Bahnstrecke von Paderborn über Altenbeken nach Willebadessen errichten. An der technischen Herausforderung, das Eggegebirge zu queren, scheiterten die ursprünglichen Pläne jedoch. So kam es zu zahlreichen Umplanungen, bis schließlich Altenbeken als entscheidender Knotenpunkt der Strecke in den Vordergrund rückte. Doch auch das Beketal erforderte eine Überbrückung. Deshalb begann 1851 der Bau des Viadukts, der 1853 fertiggestellt wurde. Damit zählt er übrigens zu den ältesten Geschichtszeugen der Bahn in Deutschland. Um dieser Bedeutung Rechnung zu tragen, ist der Viadukt heute Wahrzeichen und Wappensymbol Altenbekens.

Was macht die Bauweise denn so außergewöhnlich?

Wessels: Der Altenbekener Viadukt gilt mit 482 Metern Länge, 35 Metern Höhe und insgesamt 24 Bögen als größte Kalksandsteinbrücke Europas. Höchst ungewöhnlich ist auch seine gebogene Ausführung. In Europa wurden Viadukte eher gerade gebaut, wie beispielsweise der kleine Viadukt in Neuenbeken.

Die Brücke ist 165 Jahre alt, wie sieht’s da mit Instandhaltung aus?

Wessels: Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten ist Altenbeken ein wichtiger Knotenpunkt im Streckennetz der Bahn. Nahezu täglich rollen sieben Fern-, 150 Nahverkehrs- und 30 Güterzüge über den Viadukt. Im 2. Weltkrieg teilweise zerstört, konnte er 1946 wieder befahren werden. Kleinere Ausbesserungsarbeiten nimmt die Deutsche Bahn regelmäßig vor. Alles in allem lässt sich aber feststellen: Die preußischen Planer und Bauleute haben sehr solide gearbeitet.

Haben Sie einen Ausflugstipp?

Wessels: Ich empfehle eine Tour auf dem rund 30 Kilometer langen, mittelschweren Viadukt Wanderweg. Ausgangspunkt ist eine Güterzug-Dampflokomotive der Baureihe 044 aus dem Jahre 1941. Sie steht mitten in Altenbeken. Der Weg führt aus dem Ort hinaus durch eine abwechslungsreiche, hügelige und waldige Landschaft vorbei am Altenbekener Viadukt und weiteren Sehenswürdigkeiten. Zielpunkt der Fußreise ist wieder die Lokomotive. Übrigens lohnt sich ein Abstecher zum Viadukt auch zu später Stunde: 20 Bögen sind beleuchtet, und so erstrahlt die Brücke in goldenem Licht. Das ist absolut sehenswert!

 

Fo­to: © Felix Schier / Shutterstock