Der Zug der Zukunft: Emissionslos

Der Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen geht auch in puncto Antriebstechniken mit der Zeit: Während heute noch viele Dieselzüge im Einsatz sind, um das hohe Fahrgastaufkommen zu bewältigen, wird an neuen marktfähigen Modellen gearbeitet. Mit dem „Coradia iLint“ des Herstellers Alstom hat im Juli 2018 der erste wasserstoffbetriebene Zug die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt für den Fahrgastbetrieb in Deutschland erhalten.

Äußerlich sieht der strahlendblaue Zug aus wie eine ganz normale, dieselbetriebene Bahn. Doch wer genau hinsieht, entdeckt auf dem Dach des Coradia iLint einen Wasserstoff-Tank und eine Brennstoffzelle, in der Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser reagieren. Bei diesem chemischen Prozess entsteht elektrischer Strom, mit dem ein großer Zug in Fahrt gesetzt wird. Dies ermöglicht einen nachhaltigen Betrieb unter Beibehaltung einer hohen Zugleistung. Die komplett emissionsfreie Bahn ist geräuscharm und gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Zudem punktet der Coradia iLint durch die flexible Speicherung überschüssiger Energie in leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien sowie smartes Management von Antriebskraft und verfügbarer Energie. Mit diesen technischen Innovationen ausgerüstet schickt das Unternehmen Alstom eine Bahn auf die Schiene, die besonders für den Einsatz auf nichtelektrifizierten Strecken geeignet ist.

Der Coradia iLint ist der weltweit erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird. Dabei bestehen die Emissionen lediglich aus Wasserdampf und Kondenswasser.

Aufnahme des Fahrgastbetriebs in Niedersachsen

Seit September 2018 verkehren zwei Vorserienzüge des „Coradia iLint“ zwischen den Städten Buxtehude, Bremervörde, Bremerhaven und Cuxhaven. Vorausgegangen war eine intensive Testphase in Deutschland und Tschechien. Didier Pfleger, Sprecher der Geschäftsführung von Alstom Deutschland und Österreich, zeigt sich zufrieden: „Mit dem Coradia iLint und seiner Brennstoffzellen-Technologie ist Alstom der erste Schienenfahrzeughersteller, der eine emissionsfreie Alternative für Nahverkehrszüge bietet. Heute ist dieses neue Antriebssystem, das bislang erfolgreich auf dem Prüfstand erprobt wurde, erstmalig in einem Zug im Einsatz – ein entscheidender Schritt für saubere Mobilität in Europa.“

Der Weg zur Serienreife

Um die Fahrzeuge tatsächlich flächendeckend auf die Schiene zu bringen, liegen trotz der erfreulichen technischen Entwicklung noch große Aufgaben vor dem Hersteller: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VVR) hatte bereits im Jahr 2014, und damit weit vor der technischen Zulassung der Züge, den Einsatz des „Coradia iLint“ im Emscher-Münsterland-Netz (RE14) im Jahr 2020 geplant. Das damit verbundene Ausschreibungsverfahren musste jedoch abgebrochen werden, da die benötigte Wirtschaftlichkeit noch nicht gewährleistet werden konnte. Die Bahnen in NRW halten jedoch weiter an ihrem Weg fest, zukünftig auch in technischen Belangen zukunftsträchtige Lösungen zu verfolgen.

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