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Weichenstellung in Richtung digitale Zukunft

Fahrdienstleiter Jörg Weißenfeld muss eine Menge Informationen gleichzeitig im Blick behalten: Auf mehreren Monitoren leuchten Streckenabschnitte und die darauf fahrenden Personen- und Güterzüge schematisch in verschiedenen Farben auf. Sie zeigen, was aktuell draußen auf welchen Schienenabschnitten unterwegs ist. Per Mausklick kann Weißenfeld die Fahrwege der Züge einfach, schnell und sicher vom Schreibtisch aus einstellen – er arbeitet in einem Elektronischen Stellwerk.

Der Betrieb von Stellwerken ist im Schienenverkehr ein absolutes Muss: Rund 40.000 Züge sind tagtäglich in verschiedenen Richtungen und in dichter Taktung bundesweit auf den Gleisen unterwegs. Alle Fahrzeuge sollen gut an ihrem Ziel ankommen. Deshalb darf jeweils immer nur ein Zug in einen freien Streckenabschnitt, den sogenannten Blockabstand, eingelassen werden. Im Stellwerk werden dazu die erforderlichen Weichen und Signale gestellt und gesichert. Ende des 19. Jahrhunderts mussten Bahnangestellte diese noch mechanisch per Handarbeit bedienen, im Laufe der Eisenbahngeschichte wurde die Stellwerkstechnik zunehmend bis hin zum vollständig elektronischen Betrieb automatisiert. Allein in NRW betreibt und realisiert die Deutsche Bahn 54 Elektronische Stellwerke (ESTW), beispielsweise in Hagen, Aachen, Köln oder Solingen. Weitere Projekte sind in Planung.

Bahnknoten Duisburg wird modernisiert

Eines der laufenden Vorhaben ist die Ausrüstung des Bahnknoten Duisburg mit ESTW. Im September 2014 wurde die neue Stellwerkstechnik bereits im Duisburger Hauptbahnhof in Betrieb genommen, ebenso auf dem Abschnitt zwischen dem Düsseldorfer Flughafen und den Abzweigen nach Rheinhausen, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr. Die Arbeiten werden derzeit fortgesetzt, dazu ist auch eine Vollsperrung der Strecke zwischen Duisburg und Essen in den Herbstferien 2018 geplant. Fahrgäste werden rechtzeitig über den eingesetzten Schienenersatzverkehr informiert. Die Inbetriebnahme des ESTW Duisburg ist für 2021 geplant.

Weiteres Plus an Qualität und Effizienz durch digitale Stellwerke

Unter der Überschrift „Digitale Schiene Deutschland“ setzt die Bahn zunehmend auch auf die Entwicklung und den Einsatz digitaler Stellwerke. Das erste seiner Art ist seit Anfang 2018 in Annaberg-Buchholz, auf der Erzgebirgsbahn im Südosten Deutschlands, in Betrieb. „Intelligente Kommunikationsnetze und die damit einhergehende Standardisierung und Modularisierung der Technik sind richtungsweisend für die kommenden Jahre“, betont Klaus Müller, Chief Technology Officer (CTO) der DB Netz AG. „Sie erlauben uns, den Verkehr auf der Schiene wirtschaftlicher, ressourcenschonender sowie für unsere Kunden leistungsfähiger zu gestalten. Die neue Stellwerkstechnik ist damit ein Meilenstein zur Digitalisierung der Infrastruktur und Grundlage für mehr Kapazität und Qualität im Eisenbahnverkehr.“ Auch in NRW werden sukzessive digitale Stellwerke im Einsatz sein und für ein Plus an Qualität und Kapazität sorgen.

 

Bild: © Uwe Miethe / Deutsche Bahn AG